Freitag, 18. August 2017

 

Ice, Ice Baby! E-Mail
Freiwillig frieren? Bei Minus 110 Grad und das auch im Sommer? Das AlpenMedHotel Lamm preist seine Ganzkörper-Kyrotherapie in der Kältekammer an – und unsere ansonsten stets nach Sonne und Wärme gierende Chefredakteurin Snežana Šimičić macht den Selbsttest.

Mein erster Eindruck: Ganz so kalt wie erwartet, ist es hier gar nicht. Dieses Gefühl hält sich allerdings nur für wenige Sekunden, genauer gesagt 30. Ich weiß das so genau, weil mir die Zeit mittels Lautsprecher durchgegeben wird. Das ist wichtig, um die Orientierung zu behalten, denn bei Minus 110 Grad Celsius kommt einem das eigene Zeitgefühl schnell abhanden.

Ich befinde mich übrigens nicht auf einer Antarktis-Expedition oder Ähnlichem, sondern in einem Tiroler Traditionshotel. Das Vier-Sterne-Haus AlpenMedHotel Lamm, mitten im Zentrum von Seefeld, lud mich ein, das Aushängeschild ihres Therapieangebotes zu testen. So finde ich mich also bei extremster Kälte in einer überschaubaren Kammer wieder, die Platz für maximal fünf Menschen bietet. Wir wandern zu Dritt im Kreis darin umher.

Bekleidet sind wir nur dürftig. Außer Badebekleidung, die aber lediglich die intimen Stellen vor Blicken und nicht Kälte schützt, haben wir dicke Socken, Sport- und Handschuhe an. Zudem werden die Ohren mittels Stirnband sowie Mund und Nase mit Mundschutz bedeckt.

Wir gehen also im Kreis umher. Dies geschieht ganz automatisch, wahrscheinlich ein Reflex des menschlichen Körpers, um die Kälte weniger schmerzhaft zu empfinden. Den Effekt kann man mit dem in einer überhitzen Sauna – nur eben in umgekehrter Richtung – vergleichen. Mit jeder Sekunde wird die Kälte spürbarer und zieht tief in sämtliche Gliedmaßen hinein.

Tanzend die Kälte vergessen

Die Betreiber, das Ehepaar Silvia und Hannes Seyr­ling, hatten allerdings den wunderbaren Einfall, die Kältekammer mit Musik zu beschallen. Vorab darf man sich sogar seine Wunschmusik aussuchen. Beim ersten Mal bewegt sich meine Gruppe zu Elvis Presleys Klassiker „Dont‘ be cruel“. Die Laufbewegungen geraten dabei immer mehr zu Tanzeinlagen.

Die Therapeutin warnte vorab zwar vor allzu hektischen Bewegungen, ich aber bilde mir ein, die Kälte so vergessen zu können. Außerdem vergeht die Zeit schneller, wenn man sich auf die Musik konzentriert. Nur das Gehirn leidet: Wir singen, die eine leiser, der andere lauter. Und schnell wird aus dem englischen Wort für grausam jenes für kalt. Ist aber egal, denn sowohl „cruel“ als auch „cool“ sind hier passend.

Ehrgeiz wird geweckt

Mindestens 30 Sekunden soll man verweilen, damit sich einen Therapieeffekt einstellen kann. Der Rekord läge bei sechs Minuten. Ich schaffe das vorgegebene Optimum. Allerdings nur, weil meine beiden – rein zufällig – männlichen Mitstreiter, schon vorher fliehen. So etwas ruft Ehrgeiz hervor.

Doch mit der Durchsage: Sie haben jetzt drei Minuten erreicht, ist dann endgültig Schluss. Ich habe das Gefühl, keine einzige, weitere Sekunde mehr aushalten zu können, denn es wird wirklich „saukalt“. Bibbernd und zitternd stehe ich im Anschluss vor der Kammer, schlinge einen dicken Bademantel um mich und erschrecke über meine stark gerötete Haut. Gefrierbrand im Selbsttest!

Meine erste Ganzkörper-Kyrotherapie habe ich also erfolgreich hinter mich gebracht. Das altgriechische Wort Kyros heißt soviel wie Eis oder Frost, damit ist die Idee mehr als treffend beschrieben. Das „Schockfrosten“ wird seit einigen Jahren verstärkt zur Schmerztherapie eingesetzt. Vor allem bei Arthrose, Rheuma und allen Varianten von Rücken- bis Gelenkschmerzen soll es wahre Wunderdinge vollbringen können. Da ich gnädigerweise von solchen Malästen bisher verschont blieb, kann ich mir dazu kein Urteil erlauben und ziehe mich schnell in den Ruheraum zurück.

Nur: Ruhig werden, funktioniert nicht. In einer dicken Decke eingekuschelt, versuche ich auf dem angenehm beheizten Wasserbett ähnlich wie nach einem ordentlichen Saunagang sanft zu entschlummern. Doch Fehlanzeige. Die Kälte macht munter. Auch gut, das Hotel hat schließlich noch mehr zu bieten. Zum Beispiel einen vollständig aus Edelstahl gefertigten Pool, der genügend Raum bietet, um hier seine Bahnen zu ziehen.

Wandlung der Philosophie

Der Spa-Bereich, der weitere medizinische, aber auch klassische Wellness-Anwendungen bereithält, wurde 2007 eröffnet. Die Seyrlings investierten in ihn, aber auch in die Modernisierung ihrer insgesamt 71 Zimmer und Suiten, fast 6,5 Millionen Euro. Damit einher ging auch die Wandlung der Hotel-Philosophie vom klassischen Familien- hin zum spezialisierten Medical Wellness Hotel.

Wie bei allen anderen Therapien auch, nutzt die Kältekammer natürlich nur bei mehrmaliger Anwendung wirklich. Insgesamt drei Mal wage ich mich daher in den Kältekasten. Ich verbinde damit vor allem die Hoffnung, mich für die kommenden Wintermonate ausreichend abhärten zu können. Aber auch die Musikauswahl lockt. Seit Jahren habe ich den Vanilla Ice Chartstürmer „Ice, Ice Baby“ nicht mehr gehört. Wo, wenn nicht hier, wäre dieser Song passend?

Diese und weitere spannende Berichte und Reportagen aus dem Alpen-Adria-Raum gibt es in der aktuellen Ausgabe von ALPENADRIA. Die Edition No. 6 ist ab 30. Dezember 2011 im Handel erhältlich. Und hier kann sie ab sofort bestellt werden.

AlpenMedHotel Lamm
Dorfplatz 28 • A-6100 Seefeld/Tirol
T +43 (5212) 2464
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. www.alpenmedhotel.com

Zimmer ab 119 Euro pro Person (einschließlich Verwöhnpension). 1 Anwendung in der Kältekammer: 30 Euro, 12 Anwendungen 336 Euro, Tauglichkeitscheck (Voraussetzung für die Anwendung): 65 Euro

Anreise
Diverse Fluggesellschaften fliegen Innsbruck an. Das Hotel bietet bei rechtzeitiger Information einen Shuttle-Service an. Noch bis zum 30. April 2012 befördert Airberlin auf allen Flügen von/nach Innsbruck Skiausrüstung bis 30 Kilogramm kostenlos.

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