Der Brenner – einer der wichtigsten Alpenübergänge

Buchtipp der Woche: "Brenner.o | Geschichten über die Grenze".

10. Mai 2019

Einst war der Brenner einer der wichtigsten Alpenübergänge, außerdem ist er Wasserscheide und Transitroute und heute ist auch ein beliebtes Einkaufs- und Ausflugziel. Der 1960 geborene Autor Kurt Lanthaler hat sich in etlichen Kunstprojekten mit dem Brenner und seiner Geschichte beschäftigt und bleibt diesem Ort bis heute verbunden. Er hat sich intensiv mit dessen historischen Bedeutung auseinandergesetzt. Zudem bat er 27 Menschen darum, niederzuschreiben, was der Brenner für sie persönlich bedeutet, welche Emotionen und Er­innerungen, aber auch Hoffnungen und Wünsche sie mit ihm ver­binden. So erklärt sich der Mythos, der um den Pass herum entstanden ist.

Außergewöhnliche Fotografien

Die Fotografien des 1953 geborenen Othmar Kopp zeigen einen Ort, der bis heute eine ganz eigene Ästhetik zwischen Verfall und Neubeginn sein eigen nennt. Etliche Motive sind im kollektiven Tiroler Gedächtnis eingebrannt, von vielfachen Fahrten in den Norden oder Süden. 

Das Eisenbahnschild „Brenner – Brennero“, die Remise, die Bahnhofsreste und der Uhrturm, die Stände mit den Lederwaren, der Brennermarkt. Auch neue Bilder sind in den letzten Jahren dazugekommen: Flüchtlinge auf dem Weg in den Norden, aufgehalten von den Behörden, in Warteposition im Niemandsland zwischen Verzweiflung und Hoffnung.

Der Brenner war und ist für die Menschen nördlich und südlich der Grenze so vieles, fast immer aber ein emotionaler Ort. Zum Brenner fuhren schon die Eltern und Großeltern zum Einkaufen. Der Süden war hier zumindest kulinarisch ganz nah, die Brennerjause fixe Institution. Auf dem Rückweg fanden Wein, Parmesan und andere Köstlichkeiten oft den Weg an den Zöllnern vorbei, sehr zur Freude vieler Tiroler, die den Brenner sowieso nicht so recht als Grenze akzeptieren wollten. 


Ein emotionaler Ort

Warum auch, denn die Teilung des Landes vor fast 100 Jahren wurde von vielen als historisches Unrecht angesehen. Nicht immer passierten also nur Alkohol und Käse die Grenze. Waffen und Sprengstoff waren ebenfalls in den Kofferräumen der Autos versteckt, diesmal Richtung Süden. Der Traum von der Wiedervereinigung erfüllt sich nicht, mit Autonomie und Wohlstand kam eine Anpassung an die Begebenheiten.

Das Buch "Brenner.o | Geschichten über die Grenze" ist im Tyrolia Verlag erschienen und kostet 39,95.


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