Paddeln im alpinen Gleichtakt

Eine zweitägige Kanutour auf der Schweizer Aare.

6. Oktober 2023
#Alpen, #Reise, #Schweiz, #alpen, #Outdoor, #outdoor, #schweiz, #Kanu

Ein Schwanenpaar putzt sich am Ufer, wenig weiter starrt ein Graureiher ins klare Flusswasser und hofft auf einen ordentlichen Fang. Im Wipfel einer Eiche hockt ein einzelner Storch und zupft an seinen Federn. Neben  Vogelgezwitscher ist nur das regelmäßige Eintauchen zweier Paddel zu hören. Langsam gleiten wir in einem geliehenen Schlauchkanadier über die Aare, dem Fluss in den Schweizer Alpen, genießen die Ruhe der Natur und den Blick auf die Gipfel des Jura-Gebirges.

Plötzlich erscheint ein Haubentaucher direkt vor unserem Boot an der Wasseroberfläche, blickt sich überrascht um und taucht sofort wieder ab. Durch das glasklare Wasser beobachten wir den Vogel und entdecken dabei einige Forellen und riesige Schwärme winziger Fische. Nach rund zwölf Kilometern ist schließlich die Holzbrücke von Büren in Sicht. Zufrieden ziehen wir unser Boot an Land, ketten es an der Kaimauer an und genießen die Nachmittagssonne an der Promenade.

Ein Mann macht mit seinem Kanu Pausean einem Strand an der Aare in den AlpenUnterwegs laden kleine Strände zur Pause ein ©Brigitte Bonder

Gemütliche Paddeltour in der Westschweiz

An zwei Tagen lässt sich die Aare im Westen der Schweiz zwischen dem Bielersee und Solothurn ganz bequem erpaddeln. Übernachtet wird auf halber Strecke im historischen Büren. „Die Aare ist auf diesem Abschnitt sehr ruhig“, weiß Flurina Werro vom Kanuverleih Globepaddler in Nidau. „Die Strecke ist also auch für Einsteiger sehr gut geeignet.“

Vor dem Paddeln müssen wir erst einmal pumpen, denn Flurina empfiehlt für die Flusstour einen Schlauchkanadier. Nach wenigen Minuten sind die Kammern mit Luft gefüllt und die Sitze eingebaut. Dann spazieren wir barfuß samt Boot ins kühle Nass. „Am kleinen Leuchtturm biegt ihr rechts in die Zihl und paddelt durch den Ort bis zur großen Schleuse“, erklärt uns die Kanu-Expertin den Weg. „Dahinter folgt ihr der Aare bis Büren und wenn ihr noch Zeit habt, könnt ihr in das Naturschutzgebiet Häftli fahren.“ Gesagt, getan. Nach wenigen Paddelschlägen sind wir im Rhythmus und durchqueren Biel oder Bienne, wie der französische Name der zweisprachigen Alpen-Stadt lautet.

Frau paddelt mit Gewääserplan in der Hand auf der Aare in den Schweizer AlpenAuf einem Gewässerplan sind Orte, Liegeplätze und Naturschutzgebiete entlang der Aare eingezeichnet ©Thomas Sbikowski

Mittagspause im Naturschutzgebiet

Am Ufer liegen unzählige Boote, dahinter ragen moderne Wohngebäude auf. Biel erlebte seine Blütezeit mit dem Aufkommen der Uhrenindustrie, noch heute sind berühmte Marken wie Omega, Rolex oder Swatch hier ansässig. Vom einstigen Reichtum zeugen herrschaftliche Villen oberhalb der Altstadt, sehenswert sind auch die kleinen Plätze rund um die historischen Brunnenbauten des Zentrums.

Hinter der Schleuse geht es auf der breiten Aare weiter. Die Sonne steht schon hoch am Himmel, doch ab und an spenden die Uferbäume etwas Schatten und für ein mittägliches Picknick legen wir einfach an einem der einsamen Strände an. Nach rund fünf Stunden erreichen wir den Ortsanfang von Büren und es bleibt noch Zeit für einen Abstecher ins Häftli. „Die Aare war früher sehr kurvenreich und setzte bei Hochwasser große Teile der Region unter Wasser“, erzählt uns später die Solothurner Stadtführerin Susanne Im Hof. „Da auch Bauernhöfe überschwemmt wurden, begradigte man den Fluss und baute einen Kanal. Das Häftli ist ein alter Abschnitt der Aare und darf als Naturschutzgebiet nur von Booten ohne Motor befahren werden.“ So sind hier heute wieder Störche, Biber und Fischreiher heimisch geworden.

Paddlerin vor der Schweizer Stadt SolothurnIn Solothurn können Paddler direkt an der Promenade anlegen ©Thomas Sbikowski

Anlegen mitten in der Stadt

Am zweiten Tag sind 17 Kilometer bis Solothurn zu bewältigen und nach einem zeitigen Frühstück ziehen wir unseren Schlauchkanadier wieder ins Wasser. Hinter Büren ist die Aare kurvenreicher, kleine Inseln im Fluss und dicht bewachsene Uferabschnitte beheimaten unzählige Wasservögel. Im Hintergrund ragen immer wieder die Gipfel des Jura auf.

Am Nachmittag erscheinen die ersten Häuser Solothurns in der Ferne. Wir paddeln am Strandbad vorbei und unterqueren vier Brücken, bis wir die Anlegestelle direkt an der sonnigen Promenade der Stadt erreichen. Neugierig blicken die Gäste aus Cafés und Restaurants zur Anlegerampe hinab, als wir den Schlauchkanadier aus dem Wasser ziehen, die Luft herauslassen und das Boot in einem großen Rucksack verstauen.

Frau genießt die Auszeit mit dem Kanu in den AlpenAn der Aare können Paddler an Stegen anlegen und die Sonne genießen ©Thomas Sbikowski

Schon nach wenigen Minuten haben wir alles verpackt und spazieren durch die 2.000 Jahre alte Stadt. „Sehenswert sind die St. Ursen-Kathedrale, der Zeitglockenturm und die zahlreichen Brunnen“, erklärt Stadtführerin Susanne Im Hof. „In der Vorstadt lohnen das Alte Spital an der Aare und der Krummturm einen Abstecher.“ Nach einem kurzen Einblick in die Geschichte der Stadt zieht es uns schon bald zurück an den Fluss. Wir suchen uns einen ruhigen Platz an der Aare, beobachten eine Schwanenfamilie am Ufer und lassen die Kanutage bei einem Solothurner Wein Revue passieren.

Autorin: Brigitte Bonder

Informationen
Vielfältige Informationen für die individuelle Urlaubsplanung in diesem Alpenland bietet die Website von Schweiz Tourismus. Die Websites von Biel Seeland und Solothurn Tourismus bieten weitere Informationen.

Kanu-Verleih
Im Kanucenter Bielersee gibt es ein Kayak ab 60 Franken pro Tag inkl. Zubehör (Paddel, Schwimmweste, wasserdichte Behälter).

Anreise
Aus dem Westen Deutschlands geht es über Basel und die Schweizer Autobahnen A2 und später A5 bis nach Solothurn oder weiter nach Biel. Aus Richtung Bayern oder aus Österreich fahren Urlauber über Zürich und dann die A1 und A5 in die Urlaubsregion. Zugverbindungen führen von Basel oder Zürich in etwas mehr als einer Stunde nach Biel.

Täglich aktualisierte Informationen über die Befahrbarkeit der Schweizer Alpenpässe gibt es auf unserem Partnerportal, dem Pässeportal.

Unterkunft
Das moderne Wolke4 Guesthouse befindet sich nur wenige Schritte vom Ufer der Aare entfernt inmitten der Altstadt von Büren und bietet Einzel- und Doppelzimmer sowie Familiensuiten mit Balkon.

Im ehemaligen Schwesternhaus des Alten Spitals im Zentrum von Solothurn bietet das Hotel an der Aare modern eingerichtete Zimmer mit Flussblick.

Die historische Villa Lindenegg liegt direkt am Rande der Bieler Altstadt und ist von einem großen Garten mit Sonnenterrasse umgeben. Das Boutique-Hotel bietet acht individuell eingerichtete Zimmer sowie ein Restaurant mit regionaler und saisonaler Küche.

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