Nationalpark Swizzer – ein Gründungspionier

Der Schweizerische Nationalpark ist der bisher einzige Nationalpark der Eidgenossen und mit Gründungsdatum 1914 auch der erste Mitteleuropas. Allerdings ist er inzwischen auch das kleinste Schutzgebiet der Alpenregion.

27. März 2019
#Schweiz, #Nationalpark, #Swizzer

Bei den Schweizern läuft vieles anders, manches konsequenter. Dies gilt auch für ihren einzigen Nationalpark. Denn im Vergleich zu den anderen Alpenstaaten, hat die kantonale Verordnung der Eidgenossenschaft bereits in den 1980er Jahren mit ihrem Nationalparkgesetz verfügt, dass der Mensch in diesem Bereich lediglich im Hintergrund zu agieren hat. 

Dies führt dazu, dass im Naturschutzraum genau die Zustände geschaffen und erhalten werden sollen, wie sie vor dem Eintreffen der Menschheit vor 5000 Jahren geherrscht haben. Demzufolge dürfen Tiere nicht gejagt, Bäume nicht geschlagen, Wiesen nicht gemäht werden – und Menschen dort nicht leben. Besucher sind allerdings herzlich willkommen. 

Gegründet wurde der Nationalpark als Parc Naziunal Svizzer schon erheblich früher: bereits im Jahre 1914. Damit ist er der erste Nationalpark der Alpen und Mitteleuropas überhaupt. Dem voran gegangen war die zunehmende Industria­lisierung zum Ende des 19. Jahrhunderts. Die Bewohner der Region entwickelten zur damaligen Zeit ein aus heutiger Sicht erstaunlich ökologisches Denken. 

Sorge um die Zukunft der Natur

Die Sorge um die Zukunft der Natur brachte die Gründungspioniere dazu, sich dementsprechend auch politisch zu engagieren, um den Nationalpark Wirklichkeit werden zu lassen. Folgerichtig wurde im Jahre 1906 die Schweizerische Naturschutz-Kommission gegründet. Die Gemeinde Zernez führte als erste Gemeinde Europas Parkverhandlungen und unterzeichnete dann drei Jahre später einen ersten Pachtvertrag. 

Domenic Toutsch, der heutige Gemeindeprä­sident von Zernez, ist davon überzeugt, dass die damaligen Pioniere die Gunst der Stunde richtig einschätzten und einen nachhaltigen Beitrag zum Schutz der Landschaft leisten wollten. Doch auch wirtschaftlich hätte sich dieser Mut ausgezahlt, schließlich sei der Nationalpark zum wichtigsten Angebot im touristischen Bereich geworden. Zählte Zernez damals 596 Einwohner, sind es heute doppelt so viele. 

Wie in vielen anderen Bereichen auch, galt auch hier: Ist der erste Skeptiker mal überzeugt, folgen weitere. Heutzutage sind auch die Gemeinden S-chanf, Scuol, Valchava und Lavin Parkgemeinden. Allerdings nennt Zernez mit 66,5 Prozent des verpachteten Nationalparkgebiets den größten Anteil sein Eigen. Mittlerweile wird aber verstärkt darüber diskutiert, das Gebiet noch zu erweitern, was 1961 letztmalig geschah. Dies führte dazu, dass der ehemals einzige mitteleuropäische Nationalpark inzwischen der kleinste in der Alpenregion ist. Denn obwohl es strenge Vorschriften gibt, die regeln, wie Besucher sich zu verhalten haben – beispielsweise, dass es streng verboten ist, die markierten Wege zu verlassen – wird ihre steigende Anzahl immer mehr zu einem Problem für das Natur­reservat. 

Sogar Bären leben im Nationalpark

Noch leben im Nationalpark rund 30 Säugetierarten, unter anderem Hirsche, Gämse, Rehe, Murmeltiere, Schneehasen und sogar Bären – und über 100 Vogelarten. Von den mehr als 5.000 wirbellosen Arten sind die meisten kleine Krabbler und Kriecher. Zudem ist der Nationalpark mit mehr als 650 verschiedenen Pflanzenarten überaus reich. Rund ein Drittel des Nationalparks besteht aus Wald und Weiden. Die höchsten Gipfel sind der Piz Pisoc mit 3.174 und der Piz Quattervals mit 3.154 Metern. 


Der Nationalpark 
Mit seiner Fläche von 172 Quadratkilometern ist der Schweizerische Nationalpark das größte Schutzgebiet der Eidgenossenschaft (und gleichzeitig ihr einziger Nationalpark).  Er befindet sich im Kanton Graubünden und wurde am 1. August 1914 offiziell gegründet. 

Information
nationalpark.ch

Anreise
Von Deutschland aus führt der schnellste Weg ins Engadin am Bodensee vorbei und dann durch Liechtenstein hinein in die Schweiz. Eine Alternative ist die Route via Innsbruck. Wer aus der Schweiz kommt, sollte die Anreise mit der Rhätischen Bahn ab Chur über Tiefencastel ins Auge fassen. Die Strecke gehört mit ihren Kehrtunnel und den sehenswerten Viadukten zu den malerischsten in ganz Europa. Ab Zürich Hauptbahnhof dauert die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln rund dreieinhalb Stunden. Rund um den Nationalpark verkehren zudem verschiedene Postautos. Die nächsten Flughäfen sind Lugano (ca. 120 km), Bergamo (145 km), Innsbruck (ca, 180 km) und Zürich (ca. 200 km).

Attraktionen
Das Besucherzentrum wurde 2008 offiziell eingeweiht. Es handelt sich um ein dreigeschossiges Gebäude, entworfen vom Architekten Valerio Oligiati. Besucher finden darin eine umfangreiche Dauerausstellung, die von regelmäßigen Wechselausstellungen ergänzt wird. Auf 800 Quadratmetern werden wissenschaftliche Fakten, aber auch viel zur Sagen- und Mythenwelt vermittelt.

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